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Volksabstimmungen zwischen 1933 und 1945 © izrg

Weil sie suggestiv und alternativlos, natürlich nicht frei, nicht hinreichend geheim und teilweise manipuliert sind, ist große Vorsicht geboten, wenn Volksabstimmungen und 'Reichstagswahlen' während der NS-Zeit betrachtet werden. Aber gewisse Hinweise liefern die jeweils eine deutliche Zustimmung signalisierenden Plebiszite der Jahre 1933, 1934, 1936 und 1938: Wenn schon im November 1933 nach dem deutschen Austritt aus dem Völkerbund - die Abstimmungsfragen am 12. November 1933 lautet: "Billigst Du, deutscher Mann, und Du, deutsche Frau, diese Politik Deiner Reichsregierung, und bist Du bereit, sie als den Ausdruck Deiner eigenen Auffassung und Deines eigenen Willens zu erklären und Dich feierlich zu ihr zu bekennen?" - bei hoher Wahlbeteiligung von circa 95 % reichsweit 93,4 % und in Schleswig-Holstein 89,3 % Ja-Stimmen erzielt werden, so kann man nicht umhin, als Hauptbotschaft eine außerordentliche Zustimmung zur Politik der Regierung Adolf Hitlers zu erkennen. In einigen schleswig-holsteinischen Regionen stimmen die "Volksgenossen" fast homogen mit ja, anderswo immer noch stark mehrheitlich. Zu diesem Zeitpunkt noch Hochburgen des Widerspruchs bildeten die "Freie und Hansestadt" Lübeck mit beachtlichen 20,9 % Nein-Stimmen, Wandsbek mit 15,7 %, Altona mit 13,5 % und Neumünster mit 13,4 %. Bezogen auf Kiel, wo indes "nur" 8,4 % Nein-Stimmen erzielt werden, meint der Autor Frank Omland mit wahlstatistischer Analyse nachweisen zu können, dass vor allem das ehemals sozialdemokratische Wählermilieu eine gewisse Resistenz aufwies.

Bei der nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburgs am 19. August 1934 durchgeführten Volksbefragung über die Zusammenlegung der Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers folgen dem "Ruf des Führers" bei einer wieder hohen Wahlbeteiligung von circa 95 % reichsweit 88,1 % der Abstimmenden und in Schleswig-Holstein "nur" 84,8 %. Das ist eine geringere, aber immer noch sehr große Mehrheit für die NS-Herrschaft.

Bis zu den späteren Abstimmungen treten weitere politische "Erfolge" und Wahlrechtsänderungen ein, so dass für die NSDAP fortan jeweils fast 100 % vermeldet werden: Fraglos manipuliert, aber ebenso fraglos nah an der Wirklichkeit. Die NS-Herrschaft basiert nicht allein auf diktatorischer Gewalt, sondern auf enthusiastischer Zustimmung der Bevölkerung, weiterhin auch in Schleswig-Holstein; und zwar allen Erfahrungen zum Trotz stark überwiegend bis zum "bitteren Ende" 1945.

An dem Beispiel der Bewertung der Plebiszite der frühen NS-Herrschaftsjahre lässt sich die erstaunliche Bandbreite zulässiger fachhistorischer Interpretationen studieren: Während die einen - wie hier geschehen - das enorme Zustimmungspotential herausstellen, betonen andere - mit ebenfalls guter Begründung - die Nein-Stimmen als Ausdruck eines für die Machthaber enttäuschenden Dissenses. Es ist - wie so oft bei historischen Analysen - eine Folge der Perspektive und Fragestellungen.

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