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"Klein-Texas" © izrg

Während des "Zweiten Weltkriegs" läuft die Förderung in den Erölförderanlagen in Hemmingstedt in Dithmarschen trotz der insgesamt zehn Bombenangriffe 1944/45 bis zum Kriegsende weiter. Nach der vorübergehenden Stilllegung nimmt das Werk die Produktion jedoch schnell wieder auf. 1956 kommen zwölf Prozent der bundesrepublikanischen Erdölförderung aus Schleswig-Holstein, das sind 3,5 Millionen Tonnen!

Die Gewinnung von Öl aus dithmarscher Erde erfolgt in Hemmingstedt bereits seit der zufälligen Entdeckung der Vorkommen im Jahr 1856; ab 1920 baut die "Deutsche Erdölaktiengesellschaft" (DEA) dort Ölkreide ab. Technische Probleme und mangelnde Wirtschaftlichkeit lassen das Projekt zunächst scheitern. Erst die ideologisch begründete Autarkiepolitik der Nationalsozialisten lässt wirtschaftliche Aspekte in den Hintergrund treten, 1940 erreicht man eine Fördermenge von über 230.000 Tonnen Rohöl; im gleichen Jahr erhält das Werk eine eigene Raffinerie zur Verarbeitung des Rohöls. Bis zu 2.500 Menschen arbeiten in dem Werk, dazu gehört in der zweiten Kriegshälfte ein sehr großer Anteil von ausländischen Arbeitskräften, davon sehr viele Zwangsarbeitende aus Osteuropa.

Nach Kriegsende und ersten Aufräumarbeiten auf dem stark beschädigten Werksgelände fördert die DEA zunächst Ölkreide, um angesichts des Mangels an Heizmaterial Ersatzbrennstoffe - wenn auch glitschig und stinkend - anbieten zu können. Durch die Währungsreform 1948 ist es auch wieder profitabel nach Öl zu bohren und es zu fördern, der Preis für eine Tonne Rohöl liegt bei 165 DM. Mit dem Ausbau der Betriebsanlagen steigen gleichzeitig die Kapazitäten. Um den Ausbau der modernisierten Raffinerie zu rechtfertigen und die Alternative einer Schließung der Anlagen zu vermeiden, wird auch Rohöl aus Übersee in Hemmingstedt verarbeitet. Dafür unternimmt das Land Schleswig-Holstein finanzielle Anstrengungen von 7 Millionen DM, um das importierte Rohöl in den eigens erbauten Anlagen des neuen Erölhafens in Brunsbüttel anlanden und mit Pipelines nach Hemmingstedt weiterleiten zu können. 1950 arbeiten bereits wieder rund 1.000 Menschen "auf der Hölle", wie ursprünglich die Gegend und später die Erdölwerke genannt werden. Vier Jahre später sind es bereits fast 1.600. Das ist sehr viel im ländlichen Dithmarschen, wo Anfang der 1950er Jahre die Arbeitslosigkeit bei dreißig Prozent liegt.

Ebenfalls in den 1950er Jahren erfolgt die Erschließung weiterer Ölfelder in Schleswig-Holstein, in Boostedt bei Neumünster, Plön, Barmstedt, Kiel und Hörnerkirchen im Kreis Pinneberg. Kesselwagentransporte bringen täglich das Öl aus Ostholstein nach Hemmingstedt. Die Felder erweisen sich jedoch nicht als ergiebig. Während viele der kleinen Ölfelder wieder schließen, erschließt man in den 1980er Jahren in der Eckernförder Bucht das ergiebige Ölfeld Schwedeneck-See mittels zweier Erdölplattformen. 1984 fließt das erste Ostsee-Erdöl, ab 1986 in einer neuen Pipeline quer durch Schleswig-Holstein nach Dithmarschen.

Vor dem Hintergrund des Preisschocks im Zuge der Ölkrise Anfang der 1970er Jahre erfolgt die vor allem aus ökologischen Gesichtspunkten höchst umstrittene Erschließung des Ölfelds Mittelplate mitten im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Der in jüngerer Zeit stark gestiegene Ölpreis lässt sogar die aufwändige Verarbeitung von Ölkreide wieder wirtschaftlich attraktiv erscheinen.

Siehe auch:

"Klein-Texas" in der Marsch
Aufrumarbeiten
Erdlfrderung im Wattenmeer - die Bohrinsel "Mittelplate"
Krackanlage

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