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Das "Badebild" Friedrich Eberts - eine politische Kampagne um eine Badehose © izrg

Am 21. August 1919, genau am Tag der Vereidigung Friedrich Eberts zum Reichspräsidenten, erscheint auf der Titelseite einer Vorveröffentlichung der "Berliner Illustrierten Zeitung" eine Fotografie, die den Auftakt bildet für eine Diffamierungskampagne gegen Ebert und die durch seine Person repräsentierte Weimarer Republik. Über der Bildunterschrift "Ebert und Noske in der Sommerfrische. Aufgenommen während eines Besuchs des Seebads Haffkrug bei Travemünde" zeigt die zuspitzend retouchierte Aufnahme Ebert zusammen mit seinem Reichswehrminister Gustav Noske in wenig staatsmännischer Haltung, "unzüchtig" freiem Oberkörper und ausgebeulten Badehosen. Der Skandal ist perfekt und der frisch vereidigte Reichspräsident der Lächerlichkeit preisgegeben. Ein konservatives Komplott zur Diskreditierung Eberts lässt sich nur vermuten, jedoch hat die konservative "Deutsche Tageszeitung" die (unretouchierte) Aufnahme bereits knapp zwei Wochen zuvor veröffentlicht, versehen mit einer hämischen und inhaltlich falschen Bildunterschrift.

Tatsächlich ist das Foto im Mai des Jahres im Anschluss eines offiziellen Repräsentationstermins, der Eröffnung eines Waisenhauses, entstanden. Der Fotograf hat entgegen seinem dem Reichspräsidenten gegebenen Versprechen das Bild nicht als private Erinnerung behalten, sondern es gezielt der rechtskonservativen Presse zugespielt.

Die öffentliche Empörung vor allem in bürgerlichen Kreisen ist enorm - allerdings weniger über die Verächtlichmachung des höchsten Repräsentanten der neuen Republik, sondern über das vermeintlich unschickliche Auftreten Eberts. Die Verachtung, die Ebert nun vor allem aus dem von ihm umworbenen bürgerlichen Lager entgegenschlägt - zum Beispiel in Wort und Bild in der deutschnationalen Satirezeitschrift "Kladderadatsch" - , ermutigt den Verlag der "Deutschen Tageszeitung", das Bild nun auch als Fotomontage in Postkartenform zu vertreiben. Obwohl der Reichpräsident erfolgreich Klage gegen die Verbreitung der Postkarte einlegt und die Druckplatten vernichtet werden müssen, sind der politische Schaden und der Ansehensverlust Eberts nicht mehr zu verhindern.

Der "Badebild"-Affäre folgen zahlreiche ähnliche, auf die Diffamierung von Ebert und der Weimarer Republik zielende Veröffentlichungen. Was als private Erinnerung an einen sonnigen Frühlingstag am Ostseestrand seinen Anfang nimmt, setzt sich als ununterbrochene persönliche Verleumdungskampagne gegen Ebert bis zu seinem Tod 1925 fort.

Siehe auch:

"Kladderadatsch"
Die Bildunterschrift zu dem "Badebild" in der "Deutschen Tageszeitung" vom 9. August 1919 lautet:
"Badebild" vom 9. August 1919
Vorschlag
Titelbild
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