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Sturmflut 1976 © izrg

Am 3. Januar 1976 droht die nächste große Probe für die Westküste nach der "Jahrhundertflut" von 1962. Die Wetterlage ähnelt der damaligen: ein orkanartiger Sturm aus westlichen Richtungen. Aber noch zehn Stunden vor der Flut sind keine besonders bedrohlichen Anzeichen wahrzunehmen; erst morgens um 7.00 Uhr ist man sich im Deutschen Hydrographischen Institut sicher, dass eine besonders schwere Sturmflut bevorsteht, also Wasserstände mit über 3 m über dem Mittleren Tidenhochwasserstand zu befürchten sind.

Im Laufe des Vormittags treten Katastrophenstäbe zusammen, pausenlos warnen diesmal Radio und Fernsehen. Zwischen 13.30 und 14.30 Uhr treten eine Stunde vor der vorhergesagten Zeit die Wasserhöchststände ein. Die Pegelstände übersteigen sogar die von 1962: In Hamburg werden 75 Zentimeter und in Husum 45 Zentimeter mehr gemessen! Doch die große Katastrophe bleibt diesmal aus. Das Warnsystem funktioniert, die nach 1962 modernisierten Deiche halten und das Eidersperrwerk arbeitet zuverlässig. Die neuen Schutzräume in Hallighäusern erfüllen ihre Aufgabe, auch die jetzt mit dem Festland verbundene Trinkwasserversorgung funktioniert. Allerdings gibt es Stromausfälle. Auf Sylt geht wieder ein Teil des Kliffs bei Kampen verloren. Hier misst man Orkanböen bis Windstärke 14.

Gefahr besteht diesmal nicht für den Süden, sondern in den Elbmarschen und im Norden, dort, wo die deutsch-dänische Kooperation nicht klappt. Zwischen Hindenburgdamm und Emmerliffkliff auf dänischer Seite droht der Deich zu brechen, 75.000 Menschen in der Niederung von Tondern sind in Gefahr, deshalb lassen die Behörden Tondern evakuieren. In den Elbmarschen sind Deiche gefährdet, die noch nicht verstärkt und erhöht wurden. Zwei erhebliche Schadensstellen treten in der Kremper Marsch ein, in der Haseldorfer Marsch brechen die Deiche. Sie sind von hinten unterspült. Das Wasser überflutet die Marsch, Millionenschäden entstehen.

Die Bilanz der Flut: 20 Deichbrüche, durchweg an noch nicht verstärkten Deichen, 16 Kilometer Deich sind schwer, weitere 23 Kilometer mittelschwer beschädigt. Aber diesmal stirbt kein Mensch an der Küste durch die Fluten. Im Vergleich zu 1962 ist dies eine erträgliche Schadensbilanz. Die Maßnahmen zum Küstenschutz – am 20. Dezember 1963 von der Landesregierung Schleswig-Holsteins im "Generalplan Deichverstärkung, Deichverkürzung und Küstenschutz" zusammengefasst – haben ihre Bewährungsprobe bestanden. Schon 17 Tage später gibt es eine neue schwere Sturmflut. Auch hier gehen Dünen auf Sylt verloren, die Halligen melden wiederum "Landunter", Evakuierungen laufen an. Menschen, die gerade ihre Häuser und Ställe vom Schlick und Schlamm befreit haben, müssen wieder von vorn beginnen. Der "Kampf" gegen das Meer bleibt trotz moderner Technik auch weiterhin mühsam und häufig genug unberechenbar.

Siehe auch:

"Land unter"
Sturmflut 1976 auf der Hallig Hooge
Drei Kategorien von Sturmfluten
Der "Hindenburgdamm"
Sylt
Eidersperrwerk
Schutzraum
Halligen
Sturmflut 1962

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