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Carlshütte © sdu

Die Eisengießerei Carlshütte wird 1827 als erstes Industrieunternehmen Schleswig-Holsteins eröffnet. Viele Jahre ist sie eine der größten Fabriken der Provinz. Zusammen mit den Schiffswerften ist sie eine der großen Schwerindustrie-Unternehmen in der Region.

Die Eisengießerei Carlshütte wurde am 19. April 1827 gegründet. Sie war das erste Industrieunternehmen Schleswig-Holsteins und entwickelte sich zu einer der größten Fabriken Mitte des 19. Jahrhunderts, nicht nur im Herzogtum, sondern in der ganzen Provinz. Die Carlshütte kennzeichnet die frühe Industrialisierung im Herzogtum: Zum einen weil die Eisengießerei eine der typischen Fabriken der ersten Industrialisierung ist, zum anderen weil Eisenprodukte entscheidend für die weitere Industrialisierung waren.

Die Gründung der Fabrik fand während des dänischen Absolutismus statt. Sie konnte nur gegründet werden, weil König Frederik der VI. das Projekt absegnete. Es gelang dem Stifter der Carlshütte, Marcus Hartwig Holler, den Landgrafen Carl von Hessen, der ein Ratgeber des Königs war, von der Bedeutung des Projektes zu überzeugen. Der König erlaubte, dass die Fabrik gebaut wurde, auch wenn es gegen das Monopol der Handwerkerinnungen verstieß. Der König unterstützte auch die Konkurrenzfähigkeit der Fabrik, indem er Importzoll auf ausländische Waren erhob. Carl von Hessen half nicht nur aus lauter idealistischen Gründen, er kaufte ein Achtel der Aktien der Gesellschaft.

Die Carlshütte wurde am Eider-Kanal platziert, weil gute Hafenverbindungen nötig waren. Der Fabrik musste Eisenerz und Kohle geliefert werden und sie verfrachteten die fertigen Eisenwaren zu den Kunden. Die Carlshütte entwickelte sich schnell zum Hauptlieferanten für Eisenwaren, zunächst nur für die Unternehmen in Schleswig-Holstein, später auch für ganz Dänemark und das nördliche Deutschland. Die Fabrik konnte ein Netz von ca. 500 Verkäufer und Filialen aufbauen, die die Waren der Fabrik verkauften. Kopenhagen und Hamburg waren die Hauptmärkte, doch auch Rostock und kleinere dänische Städte wie Ribe und Faaborg hatten Filialen. 1840 bekam Thomas J. Ahlmann von Fredericia das Recht übertragen, Waren der Carlshütte in Dänemark und Skandinavien verkaufen zu dürfen. Er war der Vater von Johannes Ahlmann, der ab 1883 fast 35 Jahre lang nahezu alleiniger Direktor der Carlshütte war.

Hartwig Peter Holler übernahm nach dem Tod des Vaters 1858 die Carlshütte. Doch es war die angestellte Geschäftsleitung, die in den folgenden Jahrzehnten die Fabrik so weit entwickelte, dass sie auch fertige Waren produzieren konnte. Schon 1847 wurde eine Schiffswerft errichtet, die bis 1867 fünf Dampfschiffe baute. Ab Anfang der 1860er fertigte die Fabrik Dampfkocher und Dampfmotoren für eine Reihe Unternehmen in Norddeutschland und Anfang des nächsten Jahrzehnts war die Carlshütte der größte Eisenproduzent Norddeutschlands. Schon 1857 wurde die Fabrik mit der Haupteisenbahnstrecke zwischen Hamburg und Flensburg verbunden. Dies war von großer Bedeutung für das Ausliefern der fertigen Produkte.

Johannes Ahlmann übernahm die Direktion 1883 und mit ihm bekam die Carlshütte einen neuen starken Direktor. Er reorganisierte die Firma. Es war besonders die Produktpalette, die er änderte und in den folgenden Jahrzehnten baute die Fabrik Öfen und Zentrifugen für die Meiereien, mehr durch Zufall auch Eisenbadewannen - alle drei Produkte wurden zu großen Erfolgen. Nach ein paar schleppenden Jahren in den 1870ern - während der Gründerkrise - expandierte die Carlshütte stark in den darauf folgenden Jahren. Das Wachstum wurde verstärkt durch den Nord-Ostseekanal, der 1895 eröffnet wurde. Damit wurde es möglich direkt von Rendsburg aus zu den ausländischen Kunden, auch in Übersee, zu segeln. Damit wurde der Markt für die Produkte der Carlshütte beträchtlich vergrößert.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg die Anfrage nach den Produkten der Carlshütte. Die Industrialisierung in Europa setzte sich fort, weshalb der Bedarf an Eisenwaren stieg. Gleichzeitig bedeutete der steigende ökonomische Wohlstand, dass mehr Menschen sich Öfen, Badewannen und ähnliche Gebrauchswaren kaufen konnten. Unterbrochen von den zwei Kriegen konnte die Fabrik weiter expandieren, bis in die 1960er hinein. Danach wurde die Carlshütte genau wie andere traditionelle Unternehmen in Deutschland und Europa hart getroffen. Hohe Löhne und hohe Unkosten bedeuteten, dass die Fabrik von Konkurrenten aus Asien geschlagen wurde. Innerhalb kürzester Zeit ging es bergab und 1974 konnte die Fabrik das erste Mal nicht zahlen. Doch erst 1997 musste die Carlshütte schließen.

Die Carlshütte ist ein interessantes Beispiel einer Fabrik in Schleswig- Holstein, die fast 150 Jahre existierte. Als sie gegründet wurde, war sie innovativ, weil sie die Erste war, die den großen Markt für Eisenprodukte nutzte. Laufend wurden neue Produkte geschaffen, die die Nachfrage erfüllten oder eine schufen. Am Ende musste man die Fabrik schließen, weil die Zeiten der Schwerindustrie in Nordeuropa ganz einfach vorbei waren.

Diese Geschichte erscheint in folgenden Themen:
Historische Innovationen
Industrieller Strukturwandel
Industrialisierung
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