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Ideologisierte Landgewinnung © izrg

NSDAP-Gauleiter Hinrich Lohse nutzt das Thema "Landgewinnung" zu propagandistischen Zwecken.

Hinrich Lohse, "Gauleiter und Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein, erkannte mit feinem Gespür für symbolische Politik die politischen und propagandistischen Möglichkeiten des Themas "Landgewinnung" für Schleswig-Holstein. Er sah darin die Möglichkeit, das schleswig-holsteinische Profil als "Mustergau" zu schärfen. Dazu führte er NS-Lebensraumpolitik, Westküstentradition und akute gesellschaftliche Probleme zusammen. Im Mittelpunkt standen der Gewinn an "Lebensraum" für das deutsche Volk, die Neubildung des "deutschen Bauerntums" sowie die Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit.

So forcierten die Nationalsozialisten nach ihrer Machtübernahme unter Lohses Regie die Landgewinnungsmaßnahmen. Dazu griffen sie auf bereits bestehende Pläne aus Zeiten der "Weimarer Republik" zurück, die aus Geldmangel nicht fortgesetzt worden waren. Als Grundlagen der NS-Landgewinnung diente der "Dix-Plan" des Kieler Professors Walter Dix, der eine Eindeichung des gesamten nordfriesischen Wattenmeeres vorsah. Zudem zogen sie die umfassende Denkschrift des Küstenschutzingenieurs Dr. Johann M. Lorenzen aus dem Jahre 1931 heran, die bereits umfassende Planungen über Kostenkalkulationen, Vorarbeiten, Eindeichung und Entwässerung beinhaltete.

Diese Grundlagen verschwieg man aber, als Hinrich Lohse bereits 1933 seinen "Generalplan für die Landgewinnung in Schleswig-Holstein" vorstellte. Dieser so genannte "Lohse-Plan" sah eine Investitionssumme in Höhe von 150 Millionen Reichsmark sowie 13,5 Millionen Tagewerke – die Arbeit, die an einem Tag geleistet werden konnte – vor. Der "Lohse-Plan" selbst sollte das Deutsche Reich im wahrsten Sinne des Wortes vergrößern. Man plante mit einem Zuwachs von 11.000 Hektar Neuland innerhalb der ersten zehn Jahre. Insgesamt zielten die Planungen auf einen "Raumgewinn" von 30.000 Hektar und umfassten nicht die Dauer von Jahrzehnten, sondern von über einhundert Jahren! 43 neue Köge mit 2.000 "Siedlerstellen" sollten entstehen, die insgesamt 10.000 Menschen versorgen sollten. Die NS-Führung sah darin die Möglichkeit, die Importabhängigkeit vom Ausland zu senken.

Als "Neubauern", die die "Siedlerstellen" besetzen sollten, kamen nur "rassisch reine Arier" in Frage: Sie sollten die NS-Volksgemeinschaft im Kleinen bilden. Die Inszenierung der "nordischen Rasse" fand hier an der schleswig-holsteinischen Westküste ihren Platz.

Zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit forderten die Volkswirte eine Rückkehr zur Handarbeit, auch wenn diese Arbeitsweise ohne den Einsatz von Maschinen die Kosten in Höhe trieb. Man erhob die Arbeiten zum "Kampf" gegen die Natur. So arbeiteten im Sommer 1933 im späteren "Adolf-Hitler-Koog" 750 Mann, an der sonstigen dithmarscher Küste 1.300 und nördlich von Büsum bis zum Hindenburgdamm weitere 600 Arbeiter – allein 1933 also insgesamt etwa 2.650 Männer. Allerdings eine verschwindend geringe Anzahl angesichts über 200.000 Arbeitsloser im selben Jahr allein in Schleswig-Holstein.

1933 und 1934 verbanden die Arbeiter bereits die Inseln Nordstrand und die Hallig Nordstrandischmoor durch Dämme mit dem Festland. Insgesamt zehn neue Köge mit 5.600 Hektar Neuland weihte man schließlich während der NS-Zeit ein. Allein in den Jahren von 1933 bis 1937 betrug der Landgewinn 3.500 Hektar, so viel wie in den drei Jahrzehnten zuvor. Diese Landgewinne waren jedoch nur aufgrund der zum Teil bereits vor 40 Jahren geleisteten Vorarbeiten möglich.

1.300 Hektar entfielen dabei auf das Vorzeigeobjekt nationalsozialistischer Landgewinnung: den "Adolf-Hitler-Koog". Der "Führer" persönlich weihte "seinen Koog" am 29. August 1935 ein. Im Vergleich zum angestrebten "Lebensraum im Osten" erscheinen die geplanten 30.000 Hektar "Raumgewinn" winzig. Die ökonomischen Auswirkungen der 2.000 Siedlerstellen für das Reich sind als nicht relevant einzustufen, zumal eine Rückkehr zur Handarbeit den Erfordernissen des Industriezeitalters widersprach. Vielmehr erscheint die Neulandgewinnung an der schleswig-holsteinischen Westküste als Propagandaprojekt ersten Ranges.

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NS-Herrschaft
Blanker Hans
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