v i m u . i n f o
Dansk version

Dänischgesinnte Schleswiger © sdu

Nach dem Krieg im Jahr 1864 lebt der dänisch gesinnte Teil der Bevölkerung in Schleswig unter fremder Herrschaft. Im Zeitraum bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1920 gelingt es, trotz der ansteigenden preußischen Unterdrückung, das Dänentum zu erhalten.

Nach dem Krieg von 1864 änderten sich die Verhältnisse in Schleswig-Holstein. Die Herzogtümer wurden zu preußischen Provinzen und nun waren es plötzlich die dänisch gesinnten Gebiete und der dänisch gesinnte Teil der Bevölkerung, der unter fremder Herrschaft leben musste. Bis zur Grenzänderung im Jahr 1920 gelang es das Dänentum in Nordschleswig zu bewahren, weshalb dieser Zeitraum weiterhin von großer Bedeutung für die Südjütländer war.

Die dänisch Gesinnten fühlten sich von an Anfang im Stich gelassen. Obwohl es im Königreich viele Sympathien für sie gab, waren die politischen Möglichkeiten der Hilfestellung relativ bescheiden. Nachdem die Herzogtümer ab Jahr 1867 ganz von Preußen übernommen wurden, begann eine lange Zeit mit steigender staatlicher Unterdrückung des dänischen Bevölkerungsanteils.

Im Friedenstraktat nach dem preußisch-österreichischen Krieges 1866 wurde ein besonderer Paragraf § 5 hinzugefügt, der die Verhältnisse in Schleswig behandelte. Der Traktat besagte, dass Österreich seine Rechte in Schleswig und Holstein an Preußen übergeben würde. Hinzugefügt wurde jedoch, dass Nordschleswig durch eine Volksabstimmung das Recht besäße abzustimmen, ob es zurück nach Dänemark wollte. Dieser Paragraf wurde zur Hoffnung, an der sich die dänisch Gesinnten bis 1878 festhielten bis Bismarck die Bestimmung strich.

Dies führte dazu, dass der nationale Dichter Holger Drachmann im Jahr danach "Da de slettede Paragrafen" (deutsch: Als sie den Paragrafen strichen) schrieb und so das Unrecht, das gegen das dänische Volk begangen worden war, beschrieb.

In der ersten Zeit wurde von dänischer Seite in Schleswig eine umfassende "Protestpolitik" geführt. Es wurde in allen Bereichen protestiert, so sollte gesichert werden, dass die Nordschleswiger Frage und der Paragraf 5 immer im Bewusstsein blieben. Dänisch gesinnte Staatsangestellte weigerten sich den preußischen Eid zu leisten und die dänischen Mitglieder des preußischen Reichstages - Nicolai Ahlmann und Hans Krüger - wiesen kategorisch zurück dem Landtag formelle Unterstützung zu geben.

Vom Ende der 1870er Jahre an fand ein gradueller Wechsel innerhalb der Politik der dänisch Gesinnten statt, was mehrere Ursachen hatte. Nachdem Paragraf 5 gestrichen wurde, verschwand die Hoffnung auf eine schleswigsche Volksabstimmung. Gleichzeitig nahm die Unterstützung der Bevölkerung drastisch ab, insbesondere im Flensburger Gebiet. Die preußische Regierung sah in steigendem Maße die dänisch gesinnten Schleswiger als "Reichsfeinde" und führte eine harte Assimilationspolitik. Dadurch führten neue Leitfiguren eine neue Politik ein, die das Bestehen des Dänentums in Schleswig sichern sollte.

Der herausragende Repräsentant der neuen Linie war der junge Journalist H. P. Hanssen. Er wurde "der erste moderne Minderheitspolitiker" genannt, weil er sich mit der alten Protestpolitik, die das Recht der Dänen laut Prager Frieden zugrunde legte, auseinandersetzte. Stattdessen sollte ein breites im Volk verankertes Dänentum geschaffen werden, das die Absicht hatte, Südjütland durch das nationale Selbstbestimmungsrecht irgendwann in der Zukunft mit Dänemark zu vereinen.

Die dänisch Gesinnten sollten akzeptieren, dass sie einen preußischen Eid leisten müssten, dass sie preußische Wehrpflicht auf sich nehmen müssten und dass sie nicht aus Schleswig weg ziehen sollten. Durch diese entgegenkommende Haltung sollten Rechte erlangt werden und die Auswanderung und dadurch abnehmende Bevölkerungszahl verhindert werden. Dies war auf jeden Fall die Hoffnung, da die Regierung in jeder Hinsicht die Verhältnisse für den dänischen Bevölkerungsanteil erschwerte.

Die preußische Assimilationspolitik erreichte ihren Höhepunkt als Ernst Mathias von Köller in den Jahren 1897-1901 Oberpräsident in Schleswig-Holstein war. Aber schon in den Jahren zuvor wurden immer strengere Regeln eingeführt. Die "Köller-Politik" wurde nun von so einigen als Synonym extremer Unterdrückung einer nationalen Minderheit verstanden:

1) Es wurde eine Massenausweisung der dänischen Staatsbürger, hierunter schleswigsche Optierende, durchgeführt.

2) Von 1888 an war Deutsch die einzige Unterrichtssprache in den Schulen.

3) Die Wahlregeln wurden angepasst, so dass so wenig dänisch Gesinnte wie möglich gewählt wurden.

4) Dänische Zeitungen und dänische Redakteure wurden in Zaum gehalten und zahlreichen Straffen ausgesetzt.

5) Verbote für dänische Treffen in öffentlichen Lokalen wurden verhängt.

6) Versuche deutscher Kolonisierung in Nordschleswig wurden durchgeführt.

Die Einrichtung dänischer Vereine konnte als Antwort auf die Unterdrückung gesehen werden. Der Wähler-, Sprach-, Schul- und Vortragsverein waren zusammen mit den freien Gemeinden und dem Verein der Landwehr der Versuch die Politik des Staates abzufedern und gleichzeitig das im Volk fundierte Dänentum zu fördern. Dies gelang in einem solchen Maße, dass es bei der Abstimmung im Jahr 1920 auch weiterhin eine überwältigend dänische Mehrheit in Nordschleswig gab.

Diese Geschichte erscheint in folgenden Themen:
Monarchien
Nationaler Konflikt
Um diese Inhalte anzusehen, wird der Flashplayer 9 benötigt. Zum Download
audioDidaktische Bemerkungen
case storyFallbeispiele
photosAbbildungen
sourceQuellen
imageBiografien
lexiconLexikon
metainfoKommentar der Autoren
bibliographyLiteratur