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Grenzüberschreitende Zusammenarbeit © sdu

In den letzten Jahren wird die Zusammenarbeit über die deutsch-dänische Grenze ausgebaut. Trotzdem fühlt es sich so an als sei die Grenze noch vorhanden, weil die Sprache und das bescheidene Wissen voneinander eine Barriere ist. Diese ist im Laufe der Jahre nicht weniger geworden, im Gegenteil.

Im Laufe der Jahre wurde viel darüber debattiert, welche Bedeutung die EU-Zusammenarbeit für die Nationalstaaten hätte. Und welche Bedeutung die grenzüberschreitende Zusammenarbeit für das Grenzland hätte. Kann man sich vorstellen, dass die nationalen und regionalen Identitäten in einigen Jahren verwischt werden? Oder muss man umgekehrt erwarten, dass sie bleiben werden und vielleicht sogar verstärkt werden? Das sind Fragen, die sehr schwer zu beantworten sind. Es gibt keine eindeutigen Antworten, weil es Dinge gibt, die sich allein ihre Richtung suchen.

In den letzten Jahren wurden verschiedene Arten von grenzüberschreitender Zusammenarbeit etabliert. Seit 1997 gibt es eine gut funktionierende Krankenhauszusammenarbeit, wodurch speziell Krebspatienten von Südjütland in Flensburg behandelt wurden. Auf diese Weise mussten die Patienten den langen Weg nach Aarhus oder Odense nicht auf sich nehmen. Die Länder teilten sich einige große Investitionen im Krankenhaussektor.

Außerdem wurde eine Zusammenarbeit geschaffen, indem deutsche Rettungshubschrauber Südjütländer abholen, die Unfälle hatten oder plötzlich krank wurden. Diese Regelung wurde am 1. Mai 2005 eingeführt und im Laufe der nächsten zwei Jahre wurden mehr als 200 Patienten im südlichen Südjütland von deutschen Rettungshubschraubern abgeholt. Beide Länder haben Vorteile bei dieser Art der Zusammenarbeit, weil das Grenzgebiet auf beiden Seiten ein Randgebiet ist. Es wäre verhältnismäßig teuer, wenn beide Länder eine volle Notbereitschaft aufrecht erhalten sollten.

Ein anderes Thema, wo langsam Veränderungen stattfinden, waren die Verkehrschilder. Als eine Hilfe für Touristen wurden im Grenzbereich zweisprachige Verkehrschilder aufgehängt. Die Diskussion über die Verkehrschilder war viele Jahre lang ein Thema in der dänischen Politik. Gerade auf dänischer Seite gab es viel Widerstand gegen deutschsprachige Schilder, während man in Schleswig eher offen gegenüber dieser Idee war. Damit stand die Verkehrsschild-Problematik zwischen dem politisch akzeptablen und den praktischen Wünschen.

In gleichem Maße wie Deutschland und Dänemark während des Kalten Krieges enge Alliierte wurden, fiel die militärische Spannung zwischen den beiden Ländern weg. Das hatte die Frage gemeinsamer Gedenkfeiern aktuell gemacht. Am 18. April 2002 wurde zum ersten Mal bei einer gemeinsamen Gedenkfeier der 1864 auf den Düppeler Schanzen gefallenen Soldaten gedacht. Vorher hatte es in Südjütland - und im Rest von Dänemark - eine lange Diskussion gegeben. Sollte man den alten Feind einladen oder würde man dann zu weit gehen? Heutzutage verläuft der gemeinsame Düppel-Tag ohne Probleme. Aber es wäre undenkbar, dass es z.B. eine gemeinsame Gedenkfeier für die Gefallenen vom 9. April 1940 geben würde.

Die nationalen Unterschiede im Grenzland wurden mit den Jahren weniger und die Spannungen sind heutzutage verschwunden. Das merkte speziell die deutsch-dänische Minderheit, da es immer schwieriger wird die Idee einer speziellen nationalen Minderheitenzugehörigkeit aufrecht zu erhalten. Umgekehrt gibt es nichts, das andeutet, dass die nationalen Unterschiede verschwinden. Es gibt immer noch den Bedarf sich selbst als Däne oder Deutscher zu definieren, aber ohne dass es im Gegensatz zur "anderen" Nation passiert.

Damit ist eine interessante Situation im Grenzland entstanden. Es wurden einige gut funktionierende und praktische Kooperationen quer über die Grenze etabliert, welche offenbar für alle Vorteile haben. Umgekehrt ist die Grenze immer noch sehr deutlich. Nur wenige junge Dänen in Südjütland oder im Rest des Landes sprechen Deutsch und Kenntnisse bezüglich der deutschen Kultur und Geschichte sind mangelhaft. Das gilt auch im Verhältnis zu den alten dänischen Gebieten in Schleswig-Holstein. In Norddeutschland spricht so gut wie keiner Dänisch und das Wissen über Dänemark ist sehr gering - ob es nun die kulturellen, politischen oder geschichtlichen Dinge sind. Auf beiden Seiten der Grenze ist das Wissen über das Nachbarland bescheiden und es gibt nichts was andeutet, dass dies sich mit der Zeit ändern wird, im Gegenteil. Darum hat sich die Rolle der Minderheiten in der Nachkriegszeit geändert. Sie fungieren heutzutage als Brückenbauer zwischen den Ländern, wobei der Fokus auf der Zusammenarbeit liegt - wirtschaftlich, politisch und kulturell. Das hängt damit zusammen, dass die Minderheiten ein sehr umfangreiches Wissen über beide Länder haben, welches an den Rest der Bevölkerung im Grenzland weitergegeben wird.

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